Auf Expedition mit der Spinnrute

Waller

Mai 2015 . Spanien . Ebro

Martin Sack

Es war ein wirklich angenehmes Gefühl, zum Wallerangeln mit so wenig Ausrüstung zu reisen. Im Geländewagen befand sich nur das Spinnfischtackle, auf dem Dach war ein Kanu gespannt und schon waren wir auf der Autobahn Richtung Spanien. Dominic begleitete mich auf dieser Tour, bei welcher wir zwölf Tage mit der Wallerspinnrute werfen wollten. Unser Tourprogramm war ehrgeizig und sollte uns über alle interessanten Gewässerabschnitte des Ebros führen. Neben den Klassikern Cinca und Segre um Mequinenza beangelten wir auch den Matarana und zwei Tage den Flix-Stausee vom Motorboot aus. Unser eigentliches Ziel waren aber jene wilden Flussabschnitte des Ebros, auf welchen bisher noch so gut wie kein Angler unterwegs war.

Unser geräumiges Kanu mit Echolot erlaubte uns ein Angeln im Stehen, wir konnten also bequem driften und werfen und uns an allen interessanten Spots am Ufer festbinden oder auf einer Kiesbank aussteigen. Unser Fokus lag dabei auf den flachen Flussabschnitten mit schnellerem Wasser, Rauschen, Wasserfällen und Wehren, welche wir mit Blinker und Gummifischen befischten. Doch auch Flusspassagen mit viel Holz oder tieferen Löchern ließen wir nicht außer Acht, fischten diese geworfen und vertikal präzise mit zum Teil sehr schweren Jigköpfen und ordentlich Druck machenden Riesencykaden auf allen Wassertiefen aus.

An fast allen Tagen hatten wir einige Wallerkontakte, und wir waren immer wieder erstaunt darüber, mit welcher Gewalt sich die Zander von 60-75cm auf die 15er und 18er Gummis stürzten – Fehlbisse gab es so gut wie keine. Alles lief also optimal – doch die Waller über zwei Meter wollten unser Spielchen zurzeit nicht mit machen. Da unsere Ebrostrecke im zeitigen Frühjahr von teils heftigen Hochwassern geplagt wird, haben wir die Tour ganz knapp vor die Laichzeit gelegt – nur bei den nun niedrigen Wasserständen waren die meisten Passagen befahrbar. Während sich die kleineren Welse gierig auf unsere Köder stürzten, schienen die großen schon mit ihrem Laichgeschäft beschäftigt gewesen zu sein. Auf der Tour sahen wir sechs Waller über 2m direkt im Flachwasser vor uns oder an der Oberfläche neben dem Kanu. Alle Versuche, diese gezielt anzuwerfen, führten aber zu keiner Bissattacke. Entweder flüchteten die Tiere oder schwammen gelangweilt davon – wir waren verzweifelt! Dominic konnte einen Großfisch haken, doch leider stieg dieser im Drill wider aus.

Wir erlebten jeden Tag so manche Abenteuer und befischten um die hundert Kilometer Flussläufe, wovon auch für mich die Hälfte absolutes Neuland waren. Dominic konnte drei Welse auf Sicht fangen, ein vierter wollte ihn im knietiefen Wasser angreifen und beißen, ich konnte fast einen Wels mit der Hand fangen. Um uns herum tummelten sich in den Stromschnellen Unmengen von großen Karpfen in ihrem Laichgeschäft, manchmal waren das um fünfzig Fische in einer flachen Rausche.

Es war schon ein tolles Gefühl, die letzten noch fast unberührten Ebro Abschnitte zu erkunden. Dennoch sollte es die erste Tour zum Ebro werden, an welcher wir ohne einen 2m-Wels nach Hause zurückkehren. Beim Spinnfischen gibt es nun mal keine Großfischgarantie, und der Erfolg ist von vielen Faktoren abhängig. Nur zwei bis drei der Großfische hätten auf Sicht beißen müssen, und ich hätte von einem Megaerfolg berichten können – was für ein schmaler Grat. Wir hatten dennoch viel Spaß und viele neue Ideen für die Zukunft!

Statistik

Angler: Dominic, Martin

Angeltage: 12

Waller: 33

Zander: 22