Paradise lost

Waller

September/Oktober 2016 .  Spanien  .  Rio Ebro

Martin Sack

Die Ziele dieser Expedition waren hoch gesteckt: Zunächst galt es, im Embalse de Mequinenza nach all den Jahren noch die 2,50m Marke zu knacken, nachdem ein Ende der guten Welsbestände in diesem Gewässer vor zwei Jahren bereits absehbar war. Danach wollte ich herauszufinden, wie schnell große Waller auf Pellets in Flusspassagen reagierten, wo sie noch nie zuvor damit gefüttert wurden. Auf dem Plan standen volle zwanzig Angeltage. Um immer flexibel zu sein, waren Outdoor-Zeltausrüstung, Schlauchboot mit 5PS Außenborder, geräumiger Expeditionskanadier und Base Camp auf dem Finca-Grundstück eines Freundes in der Nähe beste Grundvoraussetzungen.

Man kann viel planen, doch dieses Mal kam alles anders. Das Unheil begann, als mein Geländewagen auf der Anreise bereits in Deutschland mit Motorschaden zum Liegen kam. Da man keinen bezahlbaren Mietwagen organisieren konnte, der auch ein Kanu auf dem Dach transportierte und einen Anhänger zog, kaufte ich fix ein neues Fahrzeug. Nach fünf Tagen Krisenmanagement und viel zusätzlichem Aufwand ging es dann doch noch Richtung Spanien. Dort angekommen, erfuhr ich von meinem Kumpel vor Ort, dass dieser aus dringenden privaten Gründen zwischendurch nach Deutschland abreisen musste und nicht mehr wie geplant mitangeln konnte. Kurz vor Abfahrt musste er spontan noch seinen Hund einschläfern. Die Serie des bösen Schicksals sollte über die ganze Tour hin anhalten. So gab es noch reparaturbedürftige Bootsmotoren, Verletzungen, medizinischen Versorgungsaufwand, aufdringliche Wilderer sowie nervende Guides und Kämpfe um die letzten Spots.

In Aragon hatte sich die rechtliche Lage inzwischen verschärft. Es war eine zusätzliche Wochenlizenz für 30€ erforderlich, das wilde Campen war verboten. Doch am Wasser zeigte sich eine andere Realität: Es begegneten uns immer noch unheimliche Gestalten, und das Abschlachten der letzten Welse nahm seinen Lauf. Manche Passagen schienen nun noch unkontrollierter, da nachts keine (Sport-)Angler mehr am Wasser waren. Was für ein Irrsinn!

Zwischendurch waren immerhin noch dreizehn Angeltage möglich. Die Fangergebnisse waren absolut abhängig vom „Wildereizustand“ des jeweiligen Gewässerabschnittes. Im Embalse de Mequinenza war es dabei nur noch mit außerordentlicher Ortskenntnis und immensem Aufwand möglich, regelmäßig große Welse zu fangen – viele ehemaligen Hot Spots waren einfach wie leer gefegt! In sehr abgelegenen Flussbereichen zeigte sich eine ähnliche Entwicklung, obwohl der Gesamtbestand noch wesentlich höher war. Ein Endergebnis von 71 Wallern, darunter 9 zwischen 2,10 und 2,35m, war zwar solide, aber weit unterhalb dem ehemaligen Potenzial dieser Ebro Abschnitte. Erfreulich waren lediglich die Ergebnisse der Experimente mit Pellets. Mit 3-4kg Futtereinsatz war es möglich, nach dreißig Minuten an völlig neuen Spots Waller über 2m an diese Nahrungsquelle zu gewöhnen – sofern man die genauen Standplätze kannte.

Für Erfrischung der Gemüter sorgten auch die Treffen mit coolen Typen mitten im Nichts. Besten Dank an „Family Shattock“ sowie Patrick und Stefan für eine sehr witzige Zeit am Wasser, für die man auch gern mal einen Angeltag opferte.

In den letzten elf Jahren hatten wir in Aragon mehr als 350 Waller jenseits der 2m-Marke gefangen und zurückgesetzt, auf einer Gewässerstrecke von 180km. Es ging persönlich an die Substanz, wenn man feststellen musste, dass heutzutage vermutlich keiner dieser Fische mehr lebte. Der Embalse de Mequinenza wurde ein weiteres Beispiel dafür, wie schnell ein exzellentes Angelgewässer komplett zugrunde gerichtet werden konnte. Möge die Europapolitik die Welse in Zukunft schützen, statt sie als invasive Spezies zum wahllosen Abschlachten frei zu geben! Bis dahin bleibt uns nichts anderes übrig, als die letzten abgelegenen Gewässer aufzusuchen, fernab von unbelehrbaren Menschen und vom Massen-Angeltourismus.

Statistik

Angler: 1

Waller: 71

Waller über 2m: 9

Statistik (Länge in m):

2.352.332.252.252.222.172.152.142.10 – …

 

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