Poppers paradise

GT und mehr

Januar 2014 . Indien . Lakkadiven

Robert Balkow

Ein großartiges Gefühl beschleicht mich, als ich zwischen meinen Füßen den weichen Korallensand spüre, auf das türkisfarbene Wasser schaue und die warmen Sonnenstrahlen genieße. So also sieht das Paradies aus! Und wir sind die ersten deutschen Angler, die sich bis hierher auf den Weg gemacht haben um eine ganz besondere Erfahrung zu machen.

Das Gepäck wird auf eines der hier typischen Holzboote verladen, welches uns schon wenig später mit gleichmäßigem Tuckern des Dieselmotors von der Flughafeninsel Agatti nach Tinakara bringt. Nach etwa einer Stunde Fahrt entdecken wir unser zuhause für die nächsten Tage. Inmitten einer Lagune mit kristallklarem Wasser liegt „unsere“ Insel. Im Hintergrund satter Palmenwald und direkt am Strand stehen unsere komfortablen Zelte. Den Rest des Tages verbringen wir damit hektisch unser Angelgerät vorzubereiten, um am nächsten Morgen gleich loslegen zu können.

Mitten in der Nacht wurden wir allerdings unsanft von einem kräftigen Gewitter mit heftigen Niederschlägen geweckt. Auch der Wind hatte aufgefrischt und in der Ferne sah man die hohen Wellen am Riff brechen. So viel zum Thema: „Es regnet niemals im Januar!“ Das unbeständige Wetter zwang uns die ersten drei Angeltage im näheren Umkreis zu verbringen, und wir konnten einige schöne Fische fangen. Max fing beim Jiggen einen riesigen Jobfish sowie einen guten Napoleon und beim Popperfischen die ersten GTs, Jörg konnte ebenfalls die ersten GTs auf seinem Konto verbuchen und zudem auch noch eine schöne Coral Trout beim Jiggen. Mathias und Kay konnten ebenfalls Ihre ersten GTs fangen und Kay hatte das Glück, beim Jiggen einen stattlichen Doggie dingfest zu machen. Alle waren bereits total begeistert, denn es war für jeden die erste Tour im warmen Salzwasser. Yves war allerdings wenig zufrieden, und er drängte darauf die entfernteren Riffe zu befischen. Was allerdings in den nächsten drei Tagen passieren sollte, sprengte selbst meine Vorstellungskraft.

Mitten in der Nacht brachen wir auf in Richtung weiter entfernter Atolle. Auf einer Schaumstoffunterlage gebettet, fielen uns schon bald erneut die Augen zu. Etwa fünf Stunden später erreichen wir unser Ziel, denn in der Ferne brachen sich bereits die Wellen am Riff, welches nur von wenigen Anglern im Jahr überhaupt befischt wurde. Plötzlich waren alle hellwach und schon wenig später flogen die Köder in Richtung der schäumenden Wellen. Schon nach wenigen Würfen verschwand mein Köder mit einem großen Schwall von der Wasseroberfläche und ein kampfstarker GT wehrte sich gegen den Zug der Rute. So hatten wir uns das vorgestellt! Den ganzen Tag folgte Drill auf Drill und jeder konnte eine ganze Reihe kampfstarker Fische fangen. Jörg schoss den Vogel ab, indem er gleich mehrere große Fische auf seinem Konto verbuchen konnte. Am Nachmittag hatte auch ich die Chance auf einen Großfisch, nachdem er meinen Köder mit seinem massigen Körper verfolgte um ihn dann im riesigen Maul verschwinden zu lassen. Nach heftigstem Kampf, in dem es mein Gegner schaffte, von der 14000er Stella bei geschlossener Bremse trotzdem noch einiges an Schnur zu gewinnen, konnten wir einen etwa 40 Kilo schweren GT sicher landen. So stellte ich mir das GT-Paradies vor und wir waren mittendrin!

Als wir am Abend an einer Boje festmachten, war die Luft voll von den erlebten Geschichten des Tages, denn jeder hatte etwas zu erzählen. Auch die kommenden Tage waren voller einzigartiger Erlebnisse. So z.B. als Max und Jörg plötzlich im Thunfischschwarm standen und einen Doppeldrill mit diesen schnellen Kämpfern erlebten, oder Kay sich beim Jiggen mit großen Haien über zwei Meter anlegte. Der letzte Tag sollte Max‘ Glückstag werden. Bereits am Morgen hatte er ein unfreiwilliges Bad genommen, als ein großer GT in einer vehementen Attacke seinen Popper inhalierte und mit voller Kraft gegen die fast geschlossene Bremse Schnur nahm. Dabei musste Max dem Fisch einen Schritt entgegen gehen, verlor den Halt und fiel Rute voran ins Wasser, während der GT unbeeindruckt Schnur von der Rolle riss. Sofort sprangen zwei der einheimischen Bootsführer hinterher, packten Max und die Rute, brachten Ihn wieder zurück zum Boot und der Drill konnte weitergehen. Nach weiteren zwei Minuten schaffte der Fisch es allerdings die Schnur an einer der scharfkantigen Korallen durchzuscheuern und die Enttäuschung war groß.

Kurz vor Ende der Tour erhielt Max allerdings am Nachmittag die Gelegenheit zur Revanche. Wieder hatte ein massiver Fisch seinen Popper attackiert und wehrte sich nun heftig gegen den Zug. Dieses Mal sollte aber alles gut gehen und mit vereinten Kräften konnte der Riese an Bord gezogen werden. Was für ein spannendes Finale! Am Ende standen 132 gelandete GTs auf unserem Zettel, wovon 6 Fische über 30 Kilo schwer waren! Und dazu kamen jede Menge andere teils äußerst farbenfrohe Fischarten.

Etwas Wehmut mischte sich unter das unendliche Glücksgefühl, als wir auf der Heimfahrt noch einen Sailfish beobachten durften, der uns mit einer akrobatischen Sprungserie verabschiedete. Vielen Dank an Yves für die perfekte Organisation einer absoluten Traumreise und vielen Dank an das gesamte Anglerteam – Es war mir eine große Freude mit Euch! Bereits jetzt sind sich alle einig, dass wir diese Tour im nächsten Jahr garantiert wiederholen müssen.

 

Statistik

Angler: Robert, Mathias, Kay, Jörg, Max

GTs: 132

GTs über 30kg: 6

Und viele weitere Fischarten