Amazonia Chainsaw Massacre

Arapaima, Piraiba

September 2017 . Südamerika

Martin Sack

Gefräßig wühlte sich die Kettensäge durch das Tropenholz. Wir befanden uns inmitten einer der abgelegensten Regenwälder dieser Erde, in einem kleinen Motorboot irgendwo in einem winzigen Seitenkanal eines riesigen Gewässersystems aus Flüssen und Seen. Und nun war unser Weg durch umgefallene Bäume blockiert. Anfangs dachten wir, nach einem Stamm hätten wir freie Fahrt, doch weit gefehlt. Immer wieder tauchten undurchdringliche Hindernisse aus umgefallenem Holz, herüber ragendem Geäst, Lianen, Palwedeln und schlammigen Untiefen auf. Wir bekamen langsam Zweifel an unserem Vorhaben, doch unser Guide blieb unermüdlich und brachte uns zielsicher durch das Dickicht. Irgendwo am Ende dieses Kanals musste ein See liegen, dort hatte er zu Fuß letztes Jahr mehrere sehr große Arapaimas gesehen. Da diese Fische nur zu Zeiten des überschwemmten Waldgebietes während der Regenzeit ihr Revier verließen und standorttreue Fische waren, mussten sie nun also zurück sein. Doch am Ende des Kanales erwartete uns eine große Enttäuschung: Der Teich war komplett mit Kraut zu gewuchert, an Angeln war nicht zu denken. Auch solche Erlebnisse gehörten dazu, zum großen Abenteuer der Arapaima-Jagd.

Der erste Tag unserer Expedition startete sehr zuversichtlich. Mit drei Booten konnten wir gleich vier Arapaimas um 50kg landen. Leider ging auch ein sehr großes Exemplar jenseits der 2m-Marke durch Materialschaden verloren, ein weitere stieg im Drill aus. Die nächsten Tage gestalteten sich dann aber sehr anspruchsvoll. Durch die vorangegangene, ungewöhnlich stark ausgeprägte Regenzeit waren die Wasserpegel immer noch 2m höher als normal. Dadurch war einerseits sehr viel Nahrung im Wasser, andererseits fanden viele dieser großen Flachwasserräuber unerreichbaren Schutz im überschwemmten Dschungelgestrüpp. Während wir mit dem Boot leise durch die Seen paddelten, warteten wir bis ein nach Luft schnappender Arapaima in Reichweite auftauchte und warfen ihn dann direkt mit zwei Köderfisch- Posenmontagen an. Oft war es leider so, das sich alle diese Räuber aus dem beangelbaren Freiwasser in die Hindernisse zurückgezogen hatten. Oder sie patrouillierten nur kurz davor und verschwanden bei der kleinsten Unruhe wieder in ihr Versteck. Darüber hinaus waren alle Raubfisch fett und rund gefressen, waren daher sehr zögerlich zum Beißen zu animieren. So kamen wir auf nur eine Attacke auf rund zwanzig angeworfenen Arapaimas. Aufgrund des zähen Beißverhaltens machte es wenig Sinn, unser eigentliches Anliegen intensiver zu betreiben – Spinnfischen mit Kunstködern. Sporadische Versuche wurden von den Räubern komplett ignoriert.

Am Ende zahlten sich Konzentration, Durchhaltevermögen und Geschicklichkeit aus, so dass pro Angeltag und Boot eigentlich immer mit mindestens einem guten Arapaima am Haken zu rechnen war und wir am Ende 11 dieser seltenen Räuber landen konnten. Mein Bootspartner Tom erlebte nach Startschwierigkeiten am dritten Angeltag eine ganz besondere Sternstunde, als ein Fisch von 2,10m und sicher um 100kg seinen Köderfisch einsammelte und im überschwemmten Wald ein brachiales Drillerlebnis ablieferte. Mit viel Adrenalin, Intuition und Glück konnten wir das Tier schließlich irgendwo im Sumpf sicher landen und fotografieren.

Doch wir wollten auch auf Piraiba angeln, und erneut riss Toms Glückssträhne nicht ab. So konnte er auf seiner ersten Südamerikatour noch gleich eine zweite Spezies jenseits der zwei Meter Marke fangen, als er einen gewaltigen Wels von 2,14m in seinen Armen hielt. Ein paar Stunden später gab es sogar noch einen Nachschlag für mich von knapp unter 2m. An diesem Tag hatte jeder von uns am Tag einen Arapaima erwischt, und in der Nacht einen Piraiba. Wo war so etwas sonst noch möglich?

Auf der Tour fingen wir einen weiteren großen Lau Lau sowie einige andere Welsarten wie Red Tail und Jau in der 10-50kg Kategorie. Durch die Unmengen von Nahrung – sogar die Piranhas waren meist satt – gestaltete sich das Angeln auf Wels am Tag als äußerst kritisch. Ebenso waren Payaras und Peacock Pass komplett satt gefressen und im noch braunen Wasser schwer auszumachen. Leider haben wir das Nachtangeln nicht intensiv genug betrieben und fast vernachlässigt. Ich bin mir sicher, da wäre noch der ein oder andere große Wels dazu gekommen. Das wird somit die Aufgabe für die nächste Reise – Nachtangeln mit den Methoden moderner Waller-Angelei auf Piraiba bei optimaleren Pegelständen!

Statistik

Angler: 6

Angeltage: 10

Arapaimas (in m): 11 Stück von 2.10 – …. – 1.60 (nicht alle gemessen um Fische zu schonen)

Piraibas (in m): 2.14 – 1.95 – 1.83

 

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