Der Schatz des Regenwaldes

Arapaima, Piraiba

Oktober 2015 . Südamerika

Martin Sack

Mir stieß der Geruch von Benzin durch die Nase, und er verdrängte kurzzeitig die reine Luft des tropischen Regenwaldes um mich herum. Unser kleines Motorboot quälte sich seit fast zwei Stunden eine endlos erscheinende Abfolge aus Stromschnellen und durch große Felsen verblockte Flusskanälen immer weiter stromauf. Um die Ladung besser zu verteilen, hatten wir den zusätzlichen Kanister Benzin auf dem Bug des Bootes fest gezurrt, doch die holprige Fahrt ließ ihn ab und an ein klein wenig lecken. Heute wollten wir besonders tief in die Wildnis vordringen, und wir hatten noch eine Pirschfahrt durch seichte Nebengewässer und verwachsene Seen vor uns – wir waren wieder zurück und auf der Jagd nach einem Arapaima, dem Schatz des südamerikanischen Urwaldes!

Um die Anreise zu verkürzen, ließen wir uns dieses Mal mit einem kleinen Flieger auf einer staubigen Piste im Busch absetzen. Von da aus ging es mit Booten nochmal eine Weile auf dem Wasser weiter, wo wir uns schließlich in unserem Basis – Zeltcamp auf einer Sandbank niederließen. Unser Team bestand dabei aus drei Booten mit je einem einheimischen Guide sowie insgesamt sechs Anglern und zusätzlich einem Kochteam.

„Mist, da knabbert doch wieder so ein verdammter Piranha den Köderfisch ab.“ Markus wollte seine Posenrute einkurbeln und kontrollieren, doch da machte sich plötzlich ein vehementer Widerstand bemerkbar. Der Raubfisch am anderen Ende der Angelschnur war doch wesentlich grösser als erwartet und zog erst Schnur von der Rolle und dann unser Boot. Unbeirrbar schwamm er den kleinen Kanal entlang und blieb zunächst verborgen in der Tiefe. Dann durchbrach der gewaltige Arapaima die Oberfläche und schlug das Wasser um sich herum zu Schaum. Nach einiger Zeit brachten wir das Boot über den Fisch und betrachteten mit Ehrfurcht den breiten Rücken und seine eleganten Schwimmbewegungen. Da wir die Arapaimas niemals ins Boot beförderten, sondern immer nur strandeten, suchten wir auch nun wieder etwas verzweifelt nach einem geeigneten Fotoplatz im dicht bewachsenen Uferbereich. Schließlich sprang Markus mit der Rute in der Hand von Bord ins hüfttiefe Wasser, doch der Fisch kämpfte weitere fünf Minuten mit schnellen Fluchten im Nahbereich. Dann hatten wir es geschafft, den Arapaima fest im Griff, und stellten mit Begeisterung fest: Der hat mit 2,04m satt die Zweimetermarke durchbrochen! Eine gute Stunde später pirschten wir am Ufer eines sumpfigen Altwassers entlang und konnten das Erlebte noch gar nicht recht fassen. Da tauchte erneut ein atmender Arapaima auf, direkt vor meinen Füßen! Fix hatte er einen Köder vor der Schnauze, und das Spiel begann von neuem. Dieses Mal mussten Markus und ich dem Giganten im schlammigen Uferbereich folgen, damit er nicht in das versunkene Totholz flüchten konnte. Auch dieser spektakuläre Drill verlief erfolgreich, und auch ich konnte meinen neuen PB mit 1,94m fangen. Was für ein unglaublicher Tag!

Die Arapaimaangelei zeigte sich durchweg großartig, wobei die Welse zum Ende der Tour hin immer launischer wurden. Der Wasserstand war in der andauernden Trockenzeit schon sehr stark gefallen, das führte zu kurzen Fressphasen der Bartelträger. Neben einem großen Piraiba von 1,92m konnten wir dennoch einige schöne Redtails und diverse kleinere Welsarten überlisten. Dazu gesellten sich all die verschiedenen Räuber, welche auf unsere Kunstköder hereinfielen.

Unsere Tour bekam eine ganz eigene Dynamik, und die Abenteuerlust der Gruppe schien unerlässlich nach neuen Herausforderungen zu suchen. So schlugen wir uns neben den Fischen auch mit Kaimanen, Anakondas und Giftschlangen herum, welche um die Boote herum lauerten und nachts gern ein wenig näher heran kamen. Aber auch Tags bei einem Ausflug mit wackligem Kanu in einem Supf voll von Arapaimas sollten man das andere Getier immer gut im Auge behalten. Der Höhepunkt war dann zweifelsohne der Fang eines 3,7m langen Kaimans mit Rute und Rolle! Natürlich durfte auch dieser, wie alle Großfische auch, nach einem Foto wieder zurück in sein Element. Aber wir waren uns sicher: Seine Augen hatten uns ganz genau betrachtet! Besten Dank also an den Wagemut aller, ich wart wirklich ein klein wenig irre!

Am Ende musste niemand ohne Arapaima nach Hause gehen und jeder hatte einen der Schätze von mindestens 1,72m geborgen. Leider gingen zwei gewaltige Arapaimas von geschätzten 2,10-2,30m im Drill verloren, weil sie den Haken im Sprung abschüttelten. Ebenso konnten auch ein paar Großwelse im hindernisreichen Flussabschnitt nicht gelandet werden.

Als wir mit dem kleinen Propellerflugzeug über die Wälder flogen, zeigten sich aber auch andere Schatzsucher. Menschen, die die Flüsse mit Quecksilber für immer verseuchten, um kurzzeitig Gold zu gewinnen um den Rohstoffhunger unserer Industriestaaten zu sättigen. Mögen die wahren Schätze des Regenwaldes noch lange davon verschont werden!

Statistik

Angler: Robert, Phillipp, Christian, Franz, Markus, Martin

Angeltage: 10

Arapaimas (in m):

2.04 – 1.94 – 1.83 – 1.81 – 1.78 – 1.72

Piraiba (in m):

1.92

 

 

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