Last angler standing

Stör

Sommer 2017 . Nordamerika

Martin Sack

„Ganz gewiss wird diese Tour die Messlatte weit in die Höhe schrauben, doch was soll´s, nächstes Jahr werden wir zurückkehren und die drei Meter Marke knacken!“ So endete mein Bericht aus 2016, und ich erinnerte mich unter Schweißperlen an diesen Satz. Mit ein wenig Abstand hatte man immer ein paar gute Sprüche parat, und erst recht wenn gerade ein Mitangler gequält wurde. Bisher hatte ich es geschafft den Schein von purer Stärke und geschickter Technik zu wahren, meine Störe im Stehen zu drillen und die Rute dabei niemals auf der Reling abzulegen. Wir hatten die Schnurbremsen auf 10kg eingestellt. Wenn man das über eine Stunde gestemmt hatte, bei immer wieder rasantem Schnurabzug zwischendurch, wurden nicht nur die Armmuskeln zu Brei, sondern auch der Rücken begann ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Am Anfang hatte man den Fehler gemacht, in einem Wutausbruch aus Gewalt den Drill schneller beenden zu wollen, doch diese unüberlegten Kurzschlussreaktionen schienen einen Stör jenseits der 200kg Marke nicht zu interessieren. Da half nur ausdauernd Gegenhalten und geschickt sein gesamtes Körpergewicht einsetzen. Irgendwann verließen die Kräfte jedoch meine Finger und mein Gegner zwang mich auf die Knie, während der Rutengriff entlastend auf das Handtuch über der Bordwand sank. Ich nutzte jede schwache Sekunde meines Gegners um ihn möglichst kraftvoll empor zu pumpen, doch irgendwann versagte mein ganzer Körper und ich musste mich unter dem Gelächter von Timmy und Lea auf die verpönte Kühlbox setzen. Störangeln war echtes Teamwork – während sich einer quälte, machten die anderen dumme Sprüche! Mittlerweile waren wir schon rund 5km den Fluss runter getrieben, mit Mühe pumpte ich den Koloss im Sitzen nach oben, um nach dem Absenken der Rute wieder die Hälfte der gewonnene Schnur zu verlieren. Jetzt bloß kein Hindernis im Wasser! Doch einen Kilometer weiter war es endlich soweit und wir konnten einen gewaltigen Schädel am Maul greifen. Da wir den Fisch im Wasser nicht für ein kurzes Vorabmessen drehen konnten, machten wir uns gleich auf zum nächsten Sandstrand, den Stör hinter dem Boot an der Rute im Schlepptau. Im seichten Wasser zeigte sich ein überproportional massig gebauter Fisch. Als das Maßband „nur“ 2,88m anzeigte, war ich fast schon etwas enttäuscht, aber was für ein Muskelpaket und schönes Tier! Nur zwei Tage später sollte ich meinen Traumstör und Fisch des Lebens fangen – ein absoluter Ausnahmefisch von 3,13m! Und diesen auch komplett im Stehen gedrillt!

Wer jetzt glaubt, diese Geschichten waren kurze Sternstunden, der irrt. Eigentlich erlebten wir diesen Wahnsinn täglich. Wir konnten unser erklärtes Tour Ziel noch zwei weitere Male mit 3,02 und 3,01m überbieten und insgesamt siebzehn(!) Störe über der 2,70m Marke fangen! Wirklich jeder aus unserem 6er Team konnte seinen Fisch des Lebens fangen und wurde täglich an den Rand seiner physischen und psychischen Grenzen gebracht. Timmy erlebte seinen besonderen Tag der Qual, als er 6 Störe über zwei Meter allein drillen „musste“. Lea meisterte tapfer mit immer besser werdender (Kühlbox-)Technik ihre Störe bis 2,76m. Auch das Team Sonny, Theky und Fabrizio bekam schnell Respekt vor der Kampfkraft der stärksten Süßwasserfische der Welt.

Neben all den Schmerzen waren auch die imposanten Momente bewegend. Einmal katapultierte sich ein Stör von 2,50m fast zwei Meter komplett aus dem Wasser, ein anderes Mal sprang ein weiterer Koloss 10cm neben der Bordwand komplett steil nach oben, direkt neben der Rutenspitze! Immer wieder waren wir erstaunt, als einer dieser Giganten sich erstmalig im klaren Wasser zeigte, an der Bordwand entlang streifte und manches Mal dann doch wieder abtauchte und 20m Schnur von der Rolle riss. Big Fish Entertainment von seiner einprägsamsten Sorte!

Bei all dem Vergnügen war beim Handling solch schwerer Fische äußerste Vorsicht geboten. Nicht auszumalen was passieren könnte, wenn man sich bei der Landung an der Bordwand in der Schnur verfing, während der Gegner nochmal durchstartete. Ebenso wollten wir natürlich auch vermeiden, dass wir einen Stör beim Landungsversuch an einem schwer zugänglichen Strand durch Schnurbruch im Riff mit Haken zurück ließen. Daher konnten wir nicht alle Störe ablichten, einige nur provisorisch an der Bordwand messen und hinnehmen, dass sie an Land noch etwas gestreckter gewesen wären. Aber was soll`s, so etwas musste alles im Rahmen der Vernunft bleiben.

Erneut ging eine geniale Angeltour zu Ende, bei der auch das abendliche Beisammensein nicht zu kurz kam. Erneut konnten wir eine Angelei erleben, die auch beim Störangeln ganz gewiss die Messlatte weiter nach oben gesetzt hat!

Zu guter Letzt noch ein paar Kundenmeinungen zur Tour:

Timmy:

„Viele sagen es ist der Fluss der Monster in dem wir gefischt haben. Besser kann man es wohl auch kaum beschreiben. Aber es ist auch der Fluss der Schmerzen, Qualen und Verzweiflung. Nie zuvor wurde ich wiederkehrender Regelmäßigkeit von einem Fisch an meine Grenzen gebracht wie auf dieser Tour. Letztendlich kann ich aber sagen es war ein Traum den ich mir erfüllen durfte, ein rundum gelungener Trip der alle Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen hat.

Trotz sengender Hitze und teilweise hohen Wellen, hatte ich mit Martin und Lea zwei super Begleiter im Boot, da war nicht nur harte Arbeit sondern auch ne Menge Spaß geboten. Ich konnte in 8 Angeltagen 25 Fische fangen bei denen 21 Stück über 2 Meter kamen. Mein persönliches Highlight war natürlich, dass es mir vergönnt war die magische 3 Meter Grenze zu durchbrechen mit einem Fisch von 3,02m und einer Gewichtsklasse über der 270 kg Marke. Es gibt wohl kaum eine weitere Fischart im Süßwasser die mit dieser brutalen Kraft, Ausdauer und Power annähernd mithalten kann.

Aber ich halte weiter die Augen offen. Wieder ein Abenteuer erlebt und gespannt was noch kommen wird. Vielen Dank an all die Jungs und unser Mädel, die ich kennen und schätzen gelernt habe, es waren tolle Tage.“

Sonny:

„Drei Fische am ersten Angel Tag mit 2,53, 2,75 und knapp 2 Meter was für ein Start…Grün und Blau und sehr erschöpft ging dieser erste Angeltag zu Ende bei einem guten Essen mit kalten Bier und super Gesprächen mit Timmy und dem Rest der Mannschaft.

Nach diesem ersten Tag erweckte in mir das Verlangen die 2,70m Marke zu knacken, hier war ich am richtigen Ort um dieses Ziel zu erreichen…

Am dritten Tag war es dann soweit, genau auf den Punkt habe ich die 2,70m Marke geknackt, auch mein anderer Freund Theky konnte sein Traum verwirklichen mit 2,56m, einfach nur klasse, diese weißen Riesen verlangten uns alles ab. Viel würde es noch zu erzählen geben, aber das würde eindeutig zu lang werden, aber das Beste kommt ja oft zum Schluss. Der Letzte Angeltag, alle waren wir kaputt vom vielen harten Kämpfen und satt weil wir ja ziemlich alles geschafft haben was wir uns erträumt haben, dachte ich zumindest. Ich mach es kurz:

Ein Biss, ein Ruck, ein Anhieb, ein Kampf meines Lebens, mit über 60 min auf Biegen und Brechen, Kreuzschmerzen, Übersäuerung der Armmuskulatur, alles hat eingesetzt. Aber diesen Kampf wollte ich zu Ende bringen um jeden Preis!!!

Nach über einer Stunde Kampf war es soweit, der Kopf des Fisches tauchte an die Oberfläche auf, ein Riese, alle warten still, dann paar Sekunden später folgte der Körper, der sich langsam aus der Tiefe zur Oberfläche hebte, es höret nicht mehr auf.

Da war er, der Rekordfisch, jetzt nur schnell zum Messen und Bilder machen ans Ufer.

Adrenalin, Aufregung und Freude mischten sich, es wurde gejubelt und gefeiert im Boot, 20 min später hatten wir Top Fotos und Maß, Yeeeaaarrrrrrrr! 3.01 mit ca.270 kg, was will man noch dazu sagen, das war der Fisch meines Lebens. Einfach nur klasse, ein Hammer Angeltrip ging zu Ende, mit einer Statistik die so kaum zu glauben ist.“

Statistik

Angler: 6

Boote: 2

Angeltage: 10

Störe: 81

Störe über 2m: 68

Störe über 2.70m: 17

Störe über 2m (Länge in m):

3.13 – 3.02 – 3.01 – 2.95 – 2.88 – 2.86 – 2.83 – 2.81 – 2.78 – 2.76 – 2.77 – 2.75 – 2.75 – 2.74 – 2.73 – 2.70 – 2.70 – 2.68 – 2.66 – 2.65 – 2.65 – 2.62 – 2.60 – 2.57 – 2.57 – 2.55 – 2.53 – 2.53 – 2.50 – 2.50 – 2.47 – 2.45 – 2.45 – 2.43 – 2.43 – 2.43 – 2.42 – 2.42 – 2.42 – 2.41 – 2.40 – 2.40 – 2.37 – 2.36 – 2.36 – 2.35 – 2.32 – 2.31 – 2.30 – 2.30 – 2.30 – 2.29 – 2.26 – 2.20 – 2.20 – 2.20 – 2.19 – 2.19 – 2.15 – 2.14 – 2.11 – 2.10 – 2.10 – 2.08 – 2.04 – 2.00 – 200 – 200

 

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