Von Jägern und Gejagten

Nilbarsch

Januar 2016 . Uganda . Nil

Martin Sack

Der Wind wehte uns den Geruch des verwesenden Fleisches in die Nase. Wir fischten konzentriert mit dem schweren Spinngerät, um jeden der harten Bisse konsequent anschlagen zu können und dabei nicht auf den Felsen das Gleichgewicht zu verlieren. Fünf Meter unter uns trieb der aufgeblähte Kadaver eines Nilpferdes in einer Rückströmungn des schäumenden und brodelnden Wassers. Die Krokodile hatten bereits begonnen, erste Fleischstücke aus ihm heraus zu reißen. Hinter uns stürzte sich der Nil fünfzig Meter in die Tiefe – ein anschauliches Sinnbild dieser gewaltigen Natur um uns herum, welche fortlaufend dabei war neues Leben zu geben und wieder zu nehmen. Auf meiner vierten Tour in die Wildnis Ugandas wurde ich von Carl begleitet, und als Guide und Freund war natürlich auch wieder Echi mit im Team.

Bereits der erste Angeltag brachte großartige Angelerfolge und ließ auf eine spannende Zeit hoffen. Auf dem Rückweg mit dem Boot machten wir an einem aussichtsreichen Spot halt, um in der Abendsonnen den Tag bei ein paar letzten Würfen ausklingen zu lassen. Die Ruhe wurde durchbrochen, als der kraftvolle Einschlag in meine Rute mit der behäbigen Flucht in die Tiefe unverkennbar andeute: „Big Fish!“ Also schnell in die Drillposition am Bug begeben, Anker liften und Außenborder hochklappen! Mein Gegner bohrte am Grund, und ich versuchte ihn mit allem was das Angelgerät hergab von den scharfen Muschelbänken fern zu halten. Normalerweise zeigte sich ein Nilbarsch mindestens einmal durch einen Sprung oder Aufschäumen des Wassers mit dem Maul an der Oberfläche, doch dieser hier blieb unter dem Boot. Nach ungefähr zehn Minuten ließ seine Kraft nach, und kurz darauf tauchte ein gewaltiger Nilbarsch an der Bordwand auf. Ich reichte meine Rute an Carl weiter und setzte zur Handlandung an. Yes! 1,72m lang und geschätzt um 70kg schwer, was für ein genialer Start mit einem neuen Nilbarsch PB!

Die Angelei zeigte sich fast durchgehend vom Besten, was ich in Uganda jemals erleben durfte und wir fingen viele Nilbarsche in richtig guten Durchschnittsgrößen um 30kg. Dabei kombinierten wir alte Taktiken und Spots mit neuen Erkenntnissen und hatten das Glück, beinahe kraufreies Wasser vorzufinden. Unsere Gummifische wurden oft auf kurze Distanz heftig attackiert, die Nilbarsche rissen Schnur von der hart eingestellten Bremse oder schraubten sich kopfschlagend in die Luft. Meist waren präzise Würfe an kleine Spots entscheidend, oft wurde der Kunstköder dann wenige Sekunden nach dem Aufklatschen direkt inhaliert! Was kann man also mehr vom Spinnfischen erwarten?

Doch nicht nur die Nilbarsche waren gefräßig, sondern auch solche Kreaturen, welche noch weiter oben in der Nahrungskette standen. An einem ruhigen Abend hatte Carl einen guten Nilbarsch von ca. 20kg bis an die Bordwand gedrillt, und ich wartete bereits darauf ihn am Unterkiefer zu greifen. Als der Fisch an der Oberfläche nochmal eine Flucht nach vorn machte, wurde das Wasser ohne Vorwarnung von einem mächtigen Schädel zerrissen. Kurz darauf tauchte das Monster wieder in der Tiefe ab und Carls Rolle kreische auf. Wir brauchten erst ein paar Sekunden um zu realisieren, was wir da gesehen haben – da hat doch tatsächlich ein Krokodil von rund fünf Metern den Nilbarsch vernascht! Wir verfolgten das Reptil mit dem Boot und Carl versuchte ein wenig zu Drillen, doch am Ende setzte es sich am Boden fest und war nicht mehr zu bewegen. Als wir die 100lb Tuf Line um ein Paddel wickelten und langsam zurück fuhren, riss die Schnur. Was solls, wir waren rückblickend sehr froh, dass niemand von uns seine Hand am Nilbarsch hatte. Hatten Echi und ich uns vorher begierig auf die Landung der Fische gefreut, wurden wir von nun an etwas nachdenklicher und einigten uns auf ein Abwechseln bei diesem Uganda Roulette.

Nicht nur im Wasser waren wir von großen Raubtieren umgeben, auch an den Ufern des Nils und in der Savanne bekamen wir einiges vors Gesicht und vor die Kamera. Das Highlight war ganz sicher eine Gruppe von acht Löwen, doch auch andere Großtiere wie Elefanten, Giraffen, Nilpferde und Büffel führten uns die schöpferische Kreativität Afrikas vor Augen.

Am Ende konnten wir 92 Nilbarsche überlisten, bis auf einen auf Musky-Spinnerbait bissen alle auf Trophy Shads. Einige Nilbarsche haben wir mit einer gelben Tag Marke versehen, welche eine dreistellige Nummer besitzt. Sie soll Aufschluss über das Wachstum und Wanderverhalten der Barsche geben, über welches bisher so gut wie nichts bekannt ist. Wer einen dieser Fische erneut fängt, möge sich bitte bei mir melden! Bei der Landung von Nilbarschen über 20kg hat es sich bestens bewährt, die Fische im Maul und Kiemenbogen mit einem Anleinseil zu sichern, dann nicht ins Boot zu ziehen sondern langsam Richtung Ufer zu fahren. Hatte sich der Fisch zunächst zehn Minuten im Uferwasser erholt, war er topfit für ein kurzes Foto an Land und konnte im Anschluss kraftvoll und aufrecht zurück in sein Lebensraum schwimmen.

Und da waren die ereignisreichen Tage auch schon wieder wie im Fluge verstrichen – doch Uganda 5:0 ist bereits in Vorbereitung!

Statistik

Angler: Carl, Martin

Angeltage: 8

Nilbarsche: 92

Semutunduwelse: 3

Nilbarsche über 1m: 37

Statistik Nilbarsche, Länge in m:

Tag- Marke: (T-xxx)

1.721.42 (T-134)1.36 1.341.33 (T-121)1.311.30 (T-123)1.29 (T-115)1.26 (T-110)1.26 (T-104)1.251.25 (T-117)1.231.23 (T-113)1.191.19 (T-124)1.18 (T-114)1.18 (T-107)1.15 (T-122)1.18 (T-102) - 1.141.071.061.06 (T-125)1.051.051.05 (T-103)1.041.041.031.031.03 (T-109)1.021.021.02 (T-118)1.02 (T-108) -1.00 – 0.99 – 0.98 – 0.98 – 0.98 – 0.96 – 0.95 – 0.95 – 0.95 – 0.94 – 0.94 – 0.94 – 0.94 – 0.93 – 0.93 – 0.92 – 0.92 – 0.92 – 0.92 – 0.92 – 0.91 – 0.91 – 0.90 – 0.90 – 0.90 – 0.90 – 0.89 – 0.89 – 0.89 – 0.88 – 0.88 – 0.88 – 0.87 – 0.87 – 0.87 – 0.87 – 0.86 – 0.85 – 0.83 – 0.83 – 0.81 – 0.81 – 0.80 – 0.80 – 0.80 – 0.78 – 0.76 – 0.75 – 0.75 – 0.75 – 0.71 – 0.71 – 0.70 – 0.67 – 0.52 – 0.50

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