Zurück in paradiesischer Wildnis

Nilbarsch

Dezember 2014 . Uganda . Nil

Martin Sack

Der Nilbarsch zog Schnur von der fast geschlossenen Bremse. Uns war bewusst, dass wir an diesem schwer zu erklimmenden Uferplatz auf Biegen und Brechen drillen mussten. Würde ein Fisch aus dem Pool vor unseren Füßen das schnelle Wildwasser erreichen, hätten wir hier ohne das Boot keine Chance, ihn aufzuhalten oder ihm zu folgen. Claudias Finger stoppten die Spule, im schäumenden Wasser schüttelte sich kurzzeitig ein großer Schädel, dann brach ein Haken des Drillings und der Nilbarsch war verloren. Ein paar Würfe später wiederholte sich das Schauspiel. Diese Mal bekam ich meinen Gegner überhaupt nicht zu Gesicht. Er sprengte einfach die 0,50er Hauptschnur! Wenn man den ganzen Tag in schweißtreibender Hitze mit schwerem Spinngerät geworfen hatte, war so etwas  sehr ernüchternd. Zum Glück sollten das jedoch die einzigen Materialbrüche auf der Tour bleiben, für alle anderen Spots hatten wir absolut geeignetes Gerät und passende Strategien für den Drill.

Was konnte aufregender sein, als zur kalten Jahreszeit in Deutschland im warmen und sonnigen Uganda mit der Spinnrute Nilbarsche zu überlisten? Dieses Mal war Claudia mit dabei und wollte nach all den Fotos vergangener Tage eigene Eindrücke dieser paradiesischen Wildnis sammeln. Neben der Nilbarsch-Herausforderung waren wir erneut von der Vielfältigkeit des Lebens umgeben und angelten zwischen Nilpferden, Krokodilen, Elefanten, Pavianen, Warzenschweinen, Büffeln, verschiedensten Antilopenarten, einer bunten Vogelwelt und vielen mehr. Auf einer Safari mit dem Jeep durch die Savanne konnten wir neben all den Tieren vom Nilufer auch Giraffen und sogar einen Leoparden beobachten!

Glücklicherweise waren wir immer noch fast die Einzigen, welche in Uganda mit der Spinnrute fischten. Erneut hatten wir alle Spots so gut wie für uns allein, der Befischungsdruck war äußerst gering. Dennoch gab es gleich zu Beginn der Tour einen deutlichen Dämpfer – die Regenzeit hatte dieses Jahr länger angehalten und das Wasser war die ersten Tage noch kaffeebraun. Zudem hatte man im stromauf gelegenen Kyogasee mit großen Maschinen Unterwasserkraut geschnitten. So war der Nil von großen und kleinen Pflanzenteilen durchsetzt, welche in allen Wassertiefen schwebten. Am Anfang war es kaum möglich, einen Gummifisch tiefer als zwei Meter im Fluss absinken zu lassen. Bis zum Ende mussten wir nach jedem Wurf Kraut von unseren Kunstködern entfernen. Die Bedingungen waren komplett anders als die beiden Jahre zuvor, und wir waren gezwungen, neue Strategien zu entwickeln.

Der Gummifisch klatsche auf die Oberfläche. Nach ein paar Kurbelumdrehungen schlug es in Claudias Rute ein. In der starken Strömung konnte man hier vom Ufer aus den Fisch nicht halten. Also musste sie die Bremse fix komplett öffnen, über eine Klippe klettern, den Barsch mit geschlossener Bremse stoppen und im stromab gelegenen, ruhigeren Pool ausdrillen. Kurz darauf konnten wir den Fisch sicher landen. Ein paar Würfe später schnappte sich ein weiterer Nilbarsch meinen Gummifisch im Wildwasser und der Drill begann von neuem. Lag es am trüben Wasser oder an laichenden Futterfischen, dass die Nilbarsche auf dieser Tour so flach standen? Wie dem auch sei, wir hatten eine gute Taktik gefunden, unter schwierigsten Bedingungen erfolgreich zu sein – nämlich nur die aktiven, raubenden Nilbarsche direkt unter der Oberfläche zu beangeln. So erlebten wir erstmalig auch Attacken auf Sicht und konnten oft zwischen den Futterfischen umher streunende Nilbarsche direkt anwerfen! Es galt also heraus zu finden, wo und wann die größeren Nilbarsche auf Raubzug gingen. Hatte man sie gefunden, ging es meist Schlag auf Schlag. So konnten wir in sieben Angeltagen 53 Nilbarsche überlisten, die größten beiden waren 1,27m lang. Leider hatte Claudia einen Aussteiger nach zwei Minuten Drill, welcher ganz sicher ein richtig guter Barsch weit jenseits der 1,50m Marke war. Am Ende konnten wir aber dennoch sehr zufrieden sein und hatten eine Menge aufregender Drills erlebt.

Wir fischten durchgehend mit unserer bewährten Gummifischmontage: Unsere Trophy Shads, versehen mit einem Schraub-Jigkopf und einem Drilling auf dem Rücken. Am erfolgreichsten war auf dieser Tour die Größe 18cm in den auffälligen Dekoren „Dark Water Sun“ sowie „Camargue Papagei“.

Natürlich gab es auch wieder interessante Beifänge. Claudia fing eine ca. 40kg schwere Schildkröte, die nach dem Gummifisch schnappte, ihn durchbiss und sich dann im Vorderbein hakte. Wir wollten das arme Tier natürlich nicht mit dem Haken zurücksetzten, und so lenkte Claudia das grimmig schauende Reptil mit äußerst kräftigem Gebiss erfolgreich mit einem Stock ab, während ich den Drilling löste. Auch ich hatte eine Auseinandersetzung mit einem Reptil und durfte ein paar Minuten mit einem vier Meter langen Krokodil kämpfen, welches meinen Gummifisch auf Sicht geschnappt hatte. Wir waren sehr beeindruckt, als sich das Raubtier direkt neben dem Boot einmal kurz unter der Oberfläche drehte. Kurz darauf war der Drilling aufgebogen und der Spuk vorbei.

Neben all den spannenden Momenten beim Angeln in ursprünglicher Natur hatten wir auch wieder viel Spaß mit all den Menschen vor Ort. Besten Dank an Echi, Ray und die Jungs und Mädels von der Bar für eine Zeit unter Freunden!

 

Statistik

Angler: Claudia,  Martin

Nilbarsche: 53

Nilbarsche über 1m: 14

Statistik nach Tagen (Länge in m):

1.Tag:12

1.00 – 0.93 – 0.83 – 0.80 – 0.76 – 0.70 – 0.70 – 0.68 – 0.66 – 0.64 – 0.62 – 0.61

2.Tag:7

0.95 – 0.91 – 0.83 – 0.77 – 0.76 – 0.65 – 0.64

3.Tag:11

1.27 – 0.97 – 0.95 – 0.92 – 0.89 – 0.88 – 0.86 – 0.74 – 0.70 – 0.68 - o.64

4.Tag: Kein Angeln – Jeep Safari

5.Tag:5

1.201.131.09 – 0.87 – 0.73

6.Tag:6

1.191.191.13 – 0.87 – 0.68 – 0.65

7.Tag:3

1.081.00 – 0.75

8.Tag:9

1.271.071.031.01 – 0.96 – 0.93 – 0.89 – 0.83 – 0.80

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